Wissenswertes zu Federwegen

Wie viel Federweg brauche ich? Der Trend hat in den letzten Jahren zu immer mehr Federweg geführt. Es ist kaum mehr möglich, eine Federgabel mit mässigem Federweg zu erwerben. Die Industrie versucht den Konsumenten zu suggerieren, dass mehr Federweg automatisch besser ist. Diese Entwicklung ist aber äusserst fragwürdig. Eine technische Betrachtung soll zeigen wieso:

Beim Bergauffahren, zumindest im steilen Gelände, ist das Vorderrad immer kurz vor dem Abheben. Beim Bergabfahren verhält es sich genau umgekehrt, das Hinterrad hat nur noch wenig Bodenkontakt. Im Extremfall lasten also bergauf 100% des Gewichts auf dem Hinterrad, bergab 100% auf dem Vorderrad. Die Federung muss daher so abgestimmt werden, dass sie in diesen Situtationen noch mindestens mässig funktioniert. Soll die Federung vorne beim Bergauffahren noch sensibel ansprechen, wird sie zwangsläufig beim Bergabfahren stark eintauchen, beim Hinterrad verhält es sich genauso, einfach mit verändertem Vorzeichen. Dies alleine spricht natürlich noch nicht gegen lange Federwege. Das Problem liegt in der Fahrradgeometrie; diese verändert sich beim Bergauffahren durch die Lastverteilung in eine flachere Rahmengeometrie, zum Bergauffahren wäre aber gerade eine steilere Geometrie wünschenswert. Beim Bergabfahren tritt wieder dasselbe Phänomen auf, die Geometrie verändert sich immer zu Ungunsten des Fahrverhaltens. Und je grösser der Federweg, desto stärker die Veränderung der Geometrie, also Verschlechterung des Fahrverhaltens.

Da für das Fahrverhalten eines Fahrrades die Geometrie der wichtigste Faktor ist, sollte man also nicht zu Gunsten eines Federwegs, den man unter Umständen gar nicht braucht, Kompromisse bezüglich der Rahmengeometrie eingehen. Meine Fahrräder gibt es mit ganz wenig bis ganz viel Federweg, eben genau so viel, wie für den jeweiligen Einsatzzweck vernünftig ist.

Mehr dazu auch unter "Wissenswertes über Federungstechnik"