Wiesmann Geschichte Philosophie F.A.Q.

 

Firmenphilosophie

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Nun bin ich schon seit bald zwanzig Jahren in der Fahrradszene tätig und manch einer mag sich fragen und hat mich auch immer wieder gefragt (inklusive ich mich selbst), wieso ich immer noch als Kleinstfirma herumkrebse und alles selber erledige, vom Werbeauftritt über die Fertigung bis zur Auslieferung. Die Antwort ist ganz einfach: Es macht mir immer noch Spass und ich bin täglich mit neuem Ehrgeiz daran, jeden Arbeitsgang noch zu verfeinern und zu verbessern. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich unglücklich werde, wenn ich mich für ein Fahrrad nicht maximal einsetzen kann. Wenn ich abhängig wäre von einem gewissen Produktionsvolumen, so müsste ich irgendwo Abstriche machen. Natürlich müssen das nicht zwangsläufig Abstriche bei der messbaren Qualität sein, und ich gebe gerne zu, dass es ein Fahrrad nicht wirklich verbessert, wenn man einen Rahmen mit so grossem Aufwand und Präzision fertigt und verschleift, dass bei einem Viertel der Arbeitszeit keine funktionale Steigerung mehr erreicht, sondern nur noch ein Perfektionsanspruch befriedigt wird.

Aber ich bin glücklich, dass ich so arbeiten kann, wie es mir am besten entspricht, und meine Kunden mein Werk honorieren. Natürlich kann man es auch dekadent finden, für ein Fahrrad mehrere tausend Euros auszugeben. Da unsere Gesellschaft aber sowieso fast ausschliesslich zu ihrem Selbstzweck lebt und der grösste Teil des Bruttosozialprodukts nur noch für bei genauer Betrachtung letztlich doch unnötige Konsumgüter ausgegeben wird, so scheint mir ein qualitativ hochwertiges Produkt aus Handarbeit und lokaler Produktion doch wesentlich sinnvoller als die Masse von kurzlebigen Billigprodukten aus Fernost, die unsere Kaufhäuser überschwemmen (und einige Jahre später die Mülldeponien).

Ich bin der Meinung, dass es keineswegs elitär ist, teure Produkte zu propagieren. Schliesslich wäre es viel sinnvoller, wenn die Menschen anstatt unbedingt jeden letzten Trend besitzen zu müssen, ihr Geld in weniger Produkte von höherer Qualität und Haltbarkeit investieren würden. Der Umsatz und damit das volkswirtschaftliche Einkommen blieben gleich, aber die Umwelt könnte profitieren und dadurch auch die Menschen. Abgesehen davon würde ein solches Umdenken auch die Qualität der Arbeitsplätze fördern. Ein Unternehmen verdient in der jetzigen Wirtschaftslage dann viel, wenn es möglichst viel möglichst billig herstellt. Dass diese Strategie unseren Arbeitsbedingungen langfristig schadet, ist nur eine Folge davon.

Es freut mich darum besonders, dass meine Kunden bereit sind, viel Geld zu bezahlen. Das gibt mir die Möglichkeit, bei meinen Lieferanten ebenfalls nur hochwertige und nach Möglichkeit ökologisch verträgliche und nachhaltige Produkte zu beziehen. Viele Menschen begreifen nicht (oder wollen es zumindest nicht), dass ihr Konsumverhalten das alles entscheidende für den Lauf der Welt ist. Längst regiert nicht mehr die Politik diese Welt, sondern die Wirtschaft (man mag jetzt einwenden, dass das früher schon so gewesen sei, und da stimme ich zu, aber es war halt bei weitem nicht so extrem). Das Gute daran ist aber, dass die Wirtschaft viel empfindlicher ist als jeder Politiker, den man mangels Alternativen auch nach vier Jahren nicht wirklich abwählen kann, wenn man unzufrieden mit der Umwelt ist. Die Wirtschaft hängt an den Konsumenten wie ein Süchtiger an der Nadel, und deshalb können wir, wenn wir wollen, den Lauf der Dinge sehr wohl und sofort verändern. Nichts ärgert mich mehr als die Behauptung, es bringe doch eh nichts, wenn ein einzelner etwas tue. Was in dieser Welt geschieht, ist die Summe aller einzelnen Entscheidungen. Die Verantwortung bei jedem ist enorm, und es ist nicht einfach, diese Verantwortung zu übernehmen. Trotzdem muss man es immer wieder aufs Neue versuchen und sich vor allem nicht enttäuschen lassen. Es lohnt sich langfristig, an seinen Überzeugungen festzuhalten. Stahl als Rahmenmaterial wird seit Jahren von der Werbeindustrie systematisch totgesagt. Mein Erfolg mit dem Material beweist aber, dass nicht immer alles so läuft, wie es das "Big Business" gerne hätte.

In diesem Sinne: Viel Spass beim Schwimmen gegen den Strom!

Florian Wiesmann

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