Wissenswertes zu Rahmensteifigkeiten

Die Rahmensteifigkeit ist, zumindest im deutschen Sprachraum, zu einem der Hauptkriterien zur Beurteilung von Fahrradrahmen geworden. Grundsätzlich ist das neben dem Gewicht auch ein wichtiger Faktor, vor allem aber ist es eine der wenigen überhaupt messbaren Grössen. Das Fahrverhalten als solches lässt sich nur subjektiv beschreiben, eine physikalische Erhebung sprengt derzeit noch den Rahmen der Möglichkeiten von Fahrradherstellern und Fachzeitschriften. Fahrradgeometrien und damit der wesentlichste Bestandteil des Fahrverhaltens gründen also nach wie vor nur auf Erfahrungen.

Anders verhält es sich eben mit der Steifigkeit; seit diese als messbares Kriterium bei der Beurteilung eines Fahrradrahmens eingesetzt wird, hat sich des Angebot stark verändert. Vor allem der Quotient aus Steifigkeit und Gewicht wurde zum wichtigsten Qualitätsurteil, weil er im Prinzip aussagt, wie gut ein Konstrukteur gearbeitet hat, wenn er bei möglichst wenig Gewicht möglichst viel Steifigkeit erzielen will (was im Normalfall für ein sportliches Fahrrad auch massgebend ist). Meine Fahrräder haben in Vergleichstests regelmässig Spitzenplätze erreicht, obwohl dem Material Stahl nachgesagt wird, es sei im Verhältnis von Steifigkeit zu Gewicht anderen Rahmenmaterialien unterlegen.

Obwohl ich also behaupten darf, das Thema "Steifigkeit zu Gewicht" besser als die viele andere Hersteller zu beherrschen möchte ich an dieser Stelle auch meine Einwendungen gegen eine zu grosse Fixierung auf dieses Thema anbringen. Zum einen hat Radfahren zu viel mit subjektiven Kriterien zu tun (Fahrverhalten, siehe oben), als dass die alleinige Berücksichtigung von Steifigkeit angemessen wäre, zum anderen muss man sich auch die Frage stellen, wie viel Steifigkeit denn sinnvoll ist. Denn eine hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht wird zwangsläufig immer über grosse Rohrdurchmesser bei geringer Wandstärke erkauft (egal welches Material verwendet wird), so dass die Defektanfälligkeit steigt. Ein sinnvolles Abwägen der wirklichen Bedürfnisse ist also auch hier der goldene Weg zum perfekten Fahrrad.